"Ich lege Wert auf Provokation"

 

BlackSpot

Was bedeutet eigentlich Askeroth?

ASKEROTH

Aske ist die norwegische Bezeichnung für Asche, Roth die keltische Endung von Jahreszeiten. Viele Bands aus dem Black Metal-Bereich enden auf roth. Ich dachte einfach: Klingt doch nett.

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Klingt dunkel, passt aber zu Ihrem Alter Ego. Auf der Bühne sind Sie blass geschminkt und tragen Stachelarmbänder – wer ist Askeroth?

ASKEROTH

Für mich ist die Figur ein Kanal, Aggressionen herauszulassen und zu protestieren. Missstände und Ungerechtigkeiten, die mir im Alltag auffallen, verarbeite ich in Liedern und die spricht Askeroth dann aus. Dinge, die ich als Privatperson nicht sagen oder tun würde. Dafür gibt es Askeroth.

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Und wer ist der Mann hinter Askeroth, Athanasios Toutziaridis?

ASKEROTH

Der ist ganz normal. Ich habe eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann abgeschlossen und arbeite auch noch in dem Beruf – im Landkreis Osnabrück, wo ich auch lebe. Natürlich sehe ich da anders aus, als auf der Bühne. Ich versuche beide Personen so gut es geht voneinander zu trennen.

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Können Sie von der Musik von Nachtblut leben?

ASKEROTH

Nein, alle Bandmitglieder arbeiten unter der Woche. Es ist so: Metal ist inzwischen groß, die Extrem-Metal-Szene ist aber verdammt klein. Alle Einnahmen aus Nachtblut geben wir nicht für Goldkettchen oder Autos aus, sondern für das musikalische Projekt. Wir kaufen Equipment, nehmen Alben in professionellen Studios auf und ermöglichen uns Touren.

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Wie ist ein Konzert von Nachtblut?

ASKEROTH

Wir ordnen uns keinem bestimmten Genre zu. Nachtblut macht extremen Metal. Verzerrte Gitarrenriffs, die man noch am ehesten mit etwa Rammstein vergleichen könnte, dazu deutsche Texte, gekreischt. Schwer zu beschreiben. Wir haben aber auch Stücke, die dem Black-Metal-Genre näher sind – schnelle, geschrabbelte Gitarren und noch schnellere Drums. Bei den Konzerten gibt es Pyrotechnik und Feuerschalen. Bei dem Lied „Ich trinke Blut“ trinke ich es …

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… sicher rot gefärbtes Wasser?

ASKEROTH

Nein, echtes Schweineblut. Ich nehme einen Schluck und lasse es über mich laufen. In einem anderen Song nehme ich ein echtes Schweineherz, beiße es auseinander und werfe es dann ins Publikum. Das denkt auch meistens, dass es nur Gummi ist. Sie müssten die Gesichter sehen, wenn sie merken, dass es echt ist.

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Können Sie verstehen, dass Menschen das befremdlich finden?

ASKEROTH

Das ist ja Sinn der Sache. Je verstörender desto besser. Ich lege Wert auf Provokation.

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Sind Sie ein politischer Mensch?

ASKEROTH

Auf jeden Fall. Aber Nachtblut ist keine politische Band. Wir prangern an, wollen uns aber weder politisch rechts noch links einordnen. Wir lassen uns vor keinen Karren spannen, auch nicht vor einen religiösen. Ich bin griechisch-orthodox, hatte aber keinen Einfluss auf die Taufe.

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Glauben Sie an Gott?

ASKEROTH

Nein. Solange mir keiner einen Beweis vorlegt, nicht.

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Sind Sie ein Menschenfeind?

ASKEROTH

Auf keinen Fall. Gerade in der Black-Metal-Szene bezeichnet sich jeder als Misantroph, aber das ist doch Quatsch. Mit der Einstellung kommt man nicht weit. Ich bin doch selbst ein Mensch.

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Also alles nur Show?

ASKEROTH

Wie gesagt: Ich unterscheide stark zwischen Askeroth und mir als Privatperson- Nachtblut ist Musik mit realitätbezogenen, extremen Texten.


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Max Polony, Mai 2015
 
 
 
 
 
 
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